Astrophysik in Russbach?

21. (!) Rußbach Schule für Kernastrophysik ein internationales Treffen im Salzburger Land

 

Zum 21. Mal treffen sich im März 2026 internationalen Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der nuklearen Astrophysik auf einer Kernastroschule in Rußbach am Paß Gschütt. Diese renomierte Schule, die in Zusammenarbeit mit der europäischen Forschungsgemeinschaft ChETEC INFRA organisiert wird, zieht Fachleute aus den Bereichen Astrophysik, Astronomie, Kosmochemie und Kernphysik an.
Dieses Jahr haben sich 60 Teilnehmer aus 17 Ländern von USA und Kanada, über Europa, Aserbeidschan bis Nepal, bei uns angekündigt.
 
Angefangen hat alles vor 21 Jahren als Arbeitstreffen, organisiert von Prof. Dr. Karl-Ludwig Kratz (1941-2025) von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Laufe der Jahre hat sich daraus eine weltweit hoch anerkannte Winterschule entwickelt, welche mittlerweile von einem dreiköpfigen, internationalen Direktorium geleitet wird: Prof. Dr. Sara Palmerini von der Universität Perugia in Italien, Dr. Konrad Schmidt vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf in Deutschland und Dr. Olivier Sorlin von der Forschungsanlage GANIL in Frankreich.
Die Schule bietet eine einzigartige Gelegenheit für Doktoranden, Postdoktoranden und Wissenschaftler, sich über die neuesten Entwicklungen in der Kernastrophysik auszutauschen und voneinander zu lernen. In verschiedenen thematischen Sitzungen werden Grundlagenwissen vermittelt, aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert und ausgiebige Diskussionsrunden geführt.

           

Auch dieses Jahr wird es im Rahmen der Rußbach Schule wieder einen öffentlichen Vortrag in deutsche Sprache geben, zu dem jeder Interessent herzlich eingeladen ist.  Dr. Jenny Feige wird im Pfarrsaal Rußbach darüber berichten, wie Forscher die Entstehung der chemischen Elemente im Universum untersuchen.

 

   

Dienstag: 3. März 2026/Pfarrsaal Rußbach, Beginn: 11:30 Uhr

Eintritt frei

       

In Memoriam: Prof. Dr. Karl-Ludwig Kratz (1941-2025):

Prof. Karl-Ludwig Kratz, Nuklearchemiker an der Universität Mainz, verstarb am 23. März 2025. Karl-Ludwig, oder KL, wie er in Fachkreisen genannt wurde, war ein Pionier der nuklearen Astrophysik und langjähriger Mitarbeiter von JINA und JINA-CEE. Er entwickelte bahnbrechende Methoden zur Erforschung des tiefen Zusammenhangs zwischen der detaillierten Struktur exotischer Atomkerne und der Häufigkeit chemischer Elemente in der Natur. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Forschung lag auf den Elementen, die durch den schnellen Neutroneneinfangprozess (r-Prozess) bei Sternexplosionen entstehen. Zu diesem Zweck leitete er die Entwicklung von Laserionisationstechniken an der ISOLDE-Anlage am CERN in der Schweiz, um einige der ersten Experimente mit exotischen Nukliden des r-Prozesses durchzuführen. Seine Arbeit legte den Grundstein für viele der heutigen Forschungsaktivitäten zum r-Prozess an Anlagen zur Erzeugung radioaktiver Teilchen weltweit. Für seinen Beitrag zur Kernchemie und nuklearen Astrophysik wurde ihm 1999 der Glenn T. Seaborg Award für Kernchemie der ACS und 2014 der Hans A. Bethe Prize der APS verliehen. KL leistete Pionierarbeit für einen wahrhaft interdisziplinären Ansatz in der nuklearen Astrophysik, bei dem Laborarbeit eng mit astrophysikalischen Modellrechnungen verknüpft ist. Damit wurde er zum Vorbild für den interdisziplinären Ansatz, den JINA, JINA-CEE und CeNAM heute verfolgen. Er leitete das nukleare Astrophysik-Netzwerk VISTARS in Deutschland, eines der ersten Partnernetzwerke des frühen JINA. Dies markierte den Beginn der Internationalisierung von JINA und war der erste Schritt hin zu dem umfassenderen internationalen Netzwerkansatz, der heute im International Research Network for Nuclear Astrophysics (IReNA) verkörpert ist. Ein wichtiges Vermächtnis aus der JINA-VISTARS-Ära ist die von KL gegründete jährliche Russbach School of Nuclear Astrophysics in Österreich. Russbach genießt heute weltweit einen hervorragenden Ruf als eine der bedeutendsten Schulen für nukleare Astrophysik.  (https://www.cenamweb.org/news/karl-ludwig-kratz-1941-2025)